Fotos des Monats

In dieser  Rubrik finden Sie regelmäßig unentdeckte Schätze aus dem Möllner Fotoarchiv.

Den Auftakt bildete das Thema "Feste und Feiern" im Jahr 2015. Einige der vielen Möllner Vereine, Verbände und Organisationen waren u.a. das  Thema im Jahr 2016. Das Jahr 2017 widmete sich dem Schwerpunktthema "Möllner Schulgebäude".  Das Jahr 2018 widmete sich den historischen Aspekten des Arbeitslebens in der Stadt Mölln. Das Jahr 2019 hat sich mit Personen beschäftigt, die seit 1945 an der Spitze der Stadtvertretung und der Stadtverwaltung gestanden haben.

Im laufenden Jahr 2020 soll die Medizingeschichte und Geschichte der Kureinrichtungen im Mittelpunkt stehen.

Aktuelle Fotos des laufenden Monats

August 2020 - Das Sanatorium in der Schmilauer Straße 66

Im Frühjahr 1900 beantragt H. Kallies aus Hamburg an der Schmilauer Chaussee ein Sanatorium zu bauen. Das Gelände war zu diesem Zeitpunkt Eigentum der Stadt Mölln.

Am 30. Mai 1900 wurde das Projekt genehmigt. Im rückwärtigen Bereich des Geländes wurde ein Stall errichtet. Warum das Vorhaben nicht zu einem Erfolg geworden ist, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht ersehen. Letzter Eigentümer des „Hotels Heidberg“ war der Gastwirt Hermann Richter, der die Ländereien und Gebäude an die Stadt Mölln verkaufte.

Die Stadt ließ das Hotel zu einem „Genesungsheim für das IX. Armeekorps“ umbauen. Die Stadt war von sich aus im April 1906 an das Militär herangetreten und hatte eine derartige Nutzung vorgeschlagen. Am 31. März 1908 wurde ein Vertrag zwischen der Stadt und der Intendantur des IX. Armeekorps als Vertreter des Reichs- (Militär-) Fiskus über die Vermietung des Gebäudes geschlossen. Nach der Abnahme der Gebäude konnte die Belegung zum 1. August 1908 beginnen. Das Genesungsheim hatte eine Gasleitung, eine Klingelleitung innerhalb des Hauses und einen Blitzableiter erhalten, wie sich aus den vorliegenden Kostenanschlägen und Rechnungen ersehen lässt.

Ein Pavillon kam später hinzu. Schon kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde das Genesungsheim in ein Lazarett umgewandelt und in dieser Funktion über das Kriegsende hinaus genutzt, zuletzt als sogenannte „Versorgungs-Kuranstalt“. Da die Militärverwaltung die Gebäude nicht weiter nutzen konnte oder wollte, wurde nach einer neuen Verwendung gesucht. Das „Hauptversorgungsamt“ teilte der Stadt mit, es werde das „Bestreben dahingehen, Mölln weiter als Lungenheilstätte zu behalten, zumal es sich durch günstige Lage und Klima besonders dazu eignet.“

Die Vertreter der Stadt zeigten sich von diesem Vorschlag wenig begeistert.: Mit Hinweis auf das ehemalige Kurhaus am Birkenweg, das vom Staat Bremen als Lungenheilstätte eingerichtet worden war, heißt es: „Die Insassen dieser Anstalt laufen in den um das Curhaus belegenen städtischen Anlagen frei umher und bilden dort eine große Gefahr für die gesunden Menschen, die in den angrenzenden Anlagen und Waldungen Erholung suchen. Würden wir an der anderen Seite Möllns eine zweite gleiche Anstalt errichten, so würden wir dadurch den Ruf Möllns als Curort völlig untergraben und die Erholungssuchenden vollends von Mölln vertreiben. Auch würden dann unsere Einwohner keine Wege mehr betreten können, auf denen sie nicht auf Lungenkranke stoßen würden.“

Schließlich wurde die „Kuranstalt“ zum 31. Dezember 1923 aufgelöst und der Kreis Herzogtum Lauenburg trat als Untermieter der Militärverwaltung mit Wirkung vom 18. Mai 1924 als Nutzer des Gebäudes auf.

Zur „Unterbringung von alten Leuten“ richtete das Landeswohlfahrtsamt hier ein Landespflegeheim ein, das bis 1930 bestand. Später diente das Gebäude als Jugendherberge, nach einem Umbau als NSDAP-Kreisleitung und „Haus der Landwirtschaft“.

Schmilauer Straße 66, Genesungsheim IX. Armeekorps , Foto ca. 1910
Genesungsheim IX. Armeekorps, Foto 1912
früheres Genesungsheim, hier "Hotel zum Heidberg", Altenheim, Foto 1920er Jahre
Heutige Landwirtschaftliche Schule, Gebäudekern ist ehem. Genesungsheim, Foto 2016

Fotos aus früheren Monaten

Juli 2020 - Das Krankenhaus der LVA in der Hindenburgstraße

Die historischen Gebäude auf dem Gelände des Robert-Koch-Parks in der Hindenburgstraße blicken auf eine bewegte Geschichte zurück. Der Komplex wurde im Ersten Weltkrieg als Kaserne (Unteroffiziervorschule) errichtet.

Hier wurden Jugendliche, die ihre Schulausbildung abgeschlossen hatten, aber noch nicht wehrpflichtig waren, auf den Beruf des Unteroffiziers vorbereitet.

 

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Mölln zu einem wichtigen Lazarett-Standort. In den Schulgebäuden nahm am 1. März 1943 ein Wehrmachtslazarett für nervengeschädigte Soldaten seinen Betrieb auf. Auch eine Sanitätsstaffel des Heeres war hier untergebracht.

 

Als Lazarett diente das Haus bis März 1946. Dann wurde der gesamte Komplex von der Landesversicherungsanstalt (LVA) übernommen. Ein Zeitungsartikel berichtet Ende der 1960er Jahre:
„Im April 1946 musste die Landesversicherungsanstalt Schleswig-Holstein auf Grund einer Anordnung der Militärregierung die in ihrem Bereich vorhandenen Wehrmachtslazarette übernehmen. Auch das Möllner Reservelazarett ging mit seinen Patienten diesen Weg. Als ‚Allgemeines Krankenhaus‘ verfügte es seinerzeit über mehrere chirurgische und innere Abteilungen. Insgesamt waren 500 Betten vorhanden. Die Unterbringung von Tuberkulosepatienten nahm anfangs nur einen geringen Raum ein. Erst vom Jahre 1948 an war man bestrebt, auch das Krankenhaus der LVA in Mölln im weiteren Maße der Pflichtaufgabe der LVA, der Bekämpfung der Tuberkulose, nutzbar zu machen […] Erst Ende Oktober 1950 wurde die letzte allgemeine Station aufgelöst. Damit war die Umstellung auf ein reines Tuberkulosekrankenhaus vollzogen“.

 

Eine Veröffentlichung von 1952 kündigte Folgendes an:

„Das Krankenhaus wird in Zukunft fast 450 Patienten Aufnahme bieten. Die Kranken werden in Ein- und Vierbettzimmern, die mit Zentralheizung, Warm- und Kaltwasseranlage versehen sind, untergebracht. Die Zimmer werden größtenteils durch direkte Zugänge zu den nach Süden gelegenen angebauten windgeschützten Liegehallen besitzen.“

 

Zum 30. Juni 1971 stellte das LVA-Krankenhaus seinen Betrieb ein, was zu heftigen Spekulationen über die Zukunft der Gebäude führte, bis dann der Bund die Liegenschaft erwarb und nach zahlreichen Umbauten die Bundeswehrverwaltungsschule III hier einrichtete. Der erste Lehrgang mit 57 Verwaltungsschülern begann im September 1972. Bürgermeister Walter Lutz erinnerte in seinem Grußwort zur Einweihungsfeier noch einmal an die Schwierigkeiten, eine neue Nutzung für das frühere TBC-Krankenhaus zu finden.

 

Von 1972 bis zum 31. Dezember 2007 diente das Haus als Bundeswehrverwaltungsschule, von 2008 bis 2012 wurden Bundeswehrangehörige in der ZAW-Betreuungsstelle auf ihren Zivilberuf vorbereitet.

 

Luftaufnahme; Erweiterung durch Anbauten als LVA-Krankenhaus, Foto um 1960
ehemaliges Schwesternwohnheim, Foto 1998
Anbau des Operationstraktes, Foto um 1975
Lungenheilstätte, eine Operation, Foto 1953
Lungenheilstätte, Behandlungsraum, Foto 1953
LVA, ehemalige Küche, dann Labor, Foto 1953
Küche der Lungenheilstätte, Foto 1953

Juni 2020 - Ehemaliges städtisches Krankenhaus

Von 1913 bis 1961 war das Städtische Krankenhaus in dem Gebäude untergebracht, das durch eine Stiftung der Witwe Dorothea Hoeltich vor dem Ersten Weltkrieg errichtet worden war. Seit 1996 erinnert eine Gedenktafel im Innern des Hauses an die Stifterfamilie.

1953 wurde das Krankenhaus von einem Belegkrankenhaus in ein Akutkrankenhaus – also mit hauptamtlich angestellten Ärzten – umgewandelt. Der erste Chefarzt wurde Dr. Hans Rottmann, dessen von Karlheinz Goedtke geschaffene Bronzebüste bis heute im Eingangsbereich der DRK-Praxisklinik zu sehen ist.

1958 übernahm die Stadt auch den Pflegedienst – Krankenschwestern und Pfleger wurden städtische Bedienstete.

In dieser Zeit (1957) wurde mit dem Neubau des Krankenhauses begonnen. Den Entwurf hatte der Architekt Hans-Hellmut Sieglitz aus Hamburg-Bergedorf geliefert. Der Neubau umfasste rund 17.000 m³ umbauten Raum, 113 Krankenbetten standen künftig zur Verfügung. Der Gesamtbau wurde t-förmig errichtet mit einem Treppenhaus, das zwischen dem vierstöckigen Betten- und dem Funktionsflügel liegt.

Der Bettenflügel verfügte über acht Fünfbettenzimmer, zwölf Dreibettenzimmer, 14 Zweibettenzimmer und zehn Einbettzimmer. Die Einweihung des Hauses wurde am 16. Mai 1961 gefeiert. Gleichzeitig wurde die ehemalige Frauenklinik am Grambeker Weg aufgegeben.

Der Altbau des Krankenhauses wurde zu einem Schwesternheim umgestaltet.

Anfang der 1980er Jahre wurde eine umfangreiche Um- und Erweiterungsmaßnahme für das Krankenhaus vorbereitet, zu der auch die Aufstockung um ein drittes Obergeschoss gehörte.

In den 1990er Jahre wurde über die Zukunft des Städtischen Krankenhauses lange und intensiv diskutiert. Am Ende stand der Zusammenschluss der Krankenhäuser in Mölln und Ratzeburg „DRK-Krankenhaus Mölln-Ratzeburg gGmbH“ und schließlich die Aufgabe des Krankenhausstandortes Mölln.

Das Gebäude des Krankenhauses dient als Praxisklinik weiterhin der medizinischen Versorgung der Bevölkerung.

 

Luftbild des Areals, 1998
Dr. Hans Rottmann, Büste von Karlheinz Goedtke
Richtkranz über dem Bau des städtischen Krankenhauses, 1958
Blick auf den Haupteingang, 1962
Röntgenabteilung des Krankenhauses, 1993
1. Spatenstich durch Innenminister Dr. Barschel für Erweiterungsbau, 1983
Städtisches Krankenhaus mit Erweiterungsbau und Aufstockung, 1988
75 Jahre Krankenhaus, Übergabe "Störche" durch Karlheinz Goedtke, 1988