Die Möllner Textilwerke

Die Möllner Textilwerke (MTW) wurden 1948 von Dr. Richard-Eugen Dörr (1896-1975) auf dem Gelände der früheren Heeresmunitionsanstalt (MUNA) gegründet. Dr. Dörr war während der Zweiten Weltkriegs Vorstandsvorsitzender der Phrix-Werke AG gewesen, die eine führende Stellung in der Herstellung von Kunstfasern eingenommen hatten. 1943 wurden Spezialisten der Firma, wichtige Dokumente und Patente in Mölln in einem Ausweichquartier in Sicherheit gebracht.

Nach dem Krieg baute Dr. Dörr die Phrix-Werke in Westdeutschland neu auf. In Mölln gründete er die Möllner Textilwerke. Über die Produktion der Firma war Anfang der 1950er Jahre Folgendes zu lesen:

„War es zuerst normale Gebrauchswäsche, die den dringendsten Bedarf der Nachkriegsjahre mit decken half, so verfeinerte sich das Herstellungsprogramm immer mehr und wandte sich dann später der Fertigung eleganter Feinwäsche zu. Phrix-Faser und Phrix-Reyon bilden neben natürlichen Textil-Rohstoffen die Grundlagen der Fabrikation […] Das Herstellungsprogramm erstreckt sich auf Herren- und Damen-Unterkleidung, Nachthemden, Schlafanzüge, Trainings-Anzüge, Polohemden, Sportwolle und Webgarne.“

1951 beschäftigten die Möllner Textilwerke rund 600 Menschen. In den folgenden Jahrzehnten zählten die Textilwerke zu den wichtigsten Arbeitgebern der Stadt. Der Anteil der weiblichen Beschäftigten war besonders groß. In den 1960er und 1970er fanden hier auch viele Beschäftigte aus der Türkei eine Arbeit.

In den 1980er Jahren wirkte sich die Krise der bundesdeutschen Textilindustrie auch auf Mölln aus. Anfang Februar 1985 wurde bekannt, dass die Möllner Textilwerke Konkurs anmelden mussten. Die Geschäftsführung nannte als Gründe für die Krise Standortnachteile, eine schwierige Personalsituation und hohe Energiekosten. 182 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren betroffen und erhielten ihre Kündigung zum Ende des Monats Februar. Der Betriebsrat macht die Geschäftsführung für den Konkurs verantwortlich.

Die Belegschaft schaltete eine Traueranzeige und teilte mit, dass „die Firma in aller Stille geschlossen“ habe.

Die Gebäude der Möllner Textilwerke wurden im Jahr 2000 abgerissen, um Platz für ein neues Wohngebiet am Rande der Waldstadt zu schaffen. In diesem neuen Stadtteil wurde eine Straße nach dem Firmengründer, Dr. Richard-Eugen Dörr, benannt.

Möllner Textilwerke, Stettiner Straße, Luftaufnahme, Foto 1951

Möllner Textilwerke, Stettiner Straße, Luftaufnahme, Foto 1951

Möllner Textilwerke, Einfahrt und Verwaltungsgebäude, Foto 1955

Möllner Textilwerke, Einfahrt und Verwaltungsgebäude, Foto 1955

Möllner Textilwerke, Neubau der Webmaschinenhallen, Kösliner Straße

Möllner Textilwerke, Neubau der Webmaschinenhallen, Kösliner Straße

Möllner Textilwerke, Abriß der Webmaschinenhallen, Foto 05/2000

Möllner Textilwerke, Abriß der Webmaschinenhallen, Foto 05/2000

Möllner Textilwerke, Spinnmaschinenhalle, Foto 1997

Möllner Textilwerke, Spinnmaschinenhalle, Foto 1997

Möllner Textilwerke, Spinnmaschinen, Foto 1997

Möllner Textilwerke, Spinnmaschinen, Foto 1997