Die Möllner Jugendherberge

Eine erste Übernachtungsmöglichkeit für Jugendliche wurde in Mölln nach dem Ersten Weltkrieg eingerichtet. Die Jugendherberge war an wechselnden Orten meist provisorisch und unzulänglich untergebracht. Im „Doktorhof“, in der Gaststätte „Harmonie“ (Mühlenstraße), in der ehemaligen Unteroffizier-Vorschule und schließlich in der Schmilauer Straße 66 richtete man sich vorübergehend ein. Lange bestand Wunsch nach einem Neubau.

Im Sommer 1934 wurden Gespräche über den Bau eines eigenen Hauses für die Möllner Jugendherberge am Ziegelsee geführt. Während sich die Verhandlungen über die Finanzierung eine ganze Weile hinzogen, stand der Name für das neue Haus schon im August 1934 fest: „Till Eulenspiegel-Jugendherberge“.

Der erste Spatenstich für die neue Jugendherberge erfolgte am 21. März 1935. Das Richtfest wurde am 29. Juni 1935 gefeiert und die Einweihungsfeier für die Jugendherberge, die schon zu Ostern 1936 in Betrieb gegangen war, fand am 18. Oktober 1936 statt. Am gleichen Tag wurden im gesamten Deutschen Reich insgesamt 49 Jugendherbergen des Reichsverbandes deutscher Jugendherbergen mit erheblichen Propagandaaufwand eingeweiht. Vor der offiziellen Feier in Mölln nahm Kreisleiter der NSDAP, Hans Gewecke vor dem Kaufhaus Karstadt in der Hauptstraße den Vorbeimarsch von Formationen der NSDAP und der Jugendverbände ab. Nach der örtlichen Feier verfolgten die Anwesenden die Radioübertragung der zentralen Einweihungsfeier in Berchtesgaden. Das Gebäude der bisherigen Jugendherberge an der Schmilauer Straße konnte nach der Inbetriebnahme des neuen Hauses völlig umgebaut werden und diente anschließend als Sitz der NSDAP-Kreisleitung.

Die Jugendherberge, in Ziegelstein-Fachwerk errichtet, trägt deutliche Zeichen des „heimatgebundenen Baustils“ der von den Nationalsozialisten gefördert wurde. Nationalsozialistisches Gedankengut prägte auch die Ausstattung des neuen Hauses, das sehr bald auch für Schulungszwecke der Hitler-Jugend genutzt wurde.

Andererseits wurde große Sorgfalt auf die Ausstattung des Hauses gelegt. Der Kamin, die Decken- und Wandvertäfelung, die Treppenhausfenster und das Mobiliar wurden von Künstlern entworfen und gestaltet. Als Besonderheit im Innern muss der Eulenspiegelfries gelten, der durch den Maler Werner Lange aus Möltenort geschaffen worden war. 1957 war der Fries so stark beschädigt, dass er mit großem Aufwand restauriert werden musste. Eine weitere Restaurierung wurde 1962/63 notwendig. Bei dieser zweiten Restaurierung wurde der Fries im kleineren Raum durch den Graphiker Hein Rahn, einen Schüler Langes, nach eigenen Entwürfen ganz neu gestaltet. 1987 wurden die Bilder erneut aufgefrischt.

Die Jugendherberge, die noch zu Kriegsbeginn erweitert wurde, verfügte über 21 Schlafräume mit 170 Betten und 3 beheizbare Tagesräume.  Der Dachboden konnte als Massenquartier genutzt werden.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs diente die Jugendherberge als Lazarett. Nach dem Krieg war dort vorübergehend ein Kreiskinderheim für elternlose und von ihren Angehörigen getrennte Flüchtlingskinder untergebracht, ehe das Haus 1948 zunächst teilweise und ab 1950 wieder seinen vollen Betrieb als Jugendherberge aufnehmen konnte.

Im Laufe der Jahrzehnte sind immer wieder bauliche Veränderungen und zahlreiche Modernisierungen erfolgt, um das Haus den veränderten Ansprüchen der Gäste anzupassen. Die Jugendherberge spielt nach wie vor eine wichtige Rolle für den Möllner Tourismus.

Luftaufnahme, Ziegelsee, Jugendherberge, Foto um 1970

Luftaufnahme, Ziegelsee, Jugendherberge, Foto um 1970

Gelände der Jugendherberge vor dem Bau, Foto 1935

Gelände der Jugendherberge vor dem Bau, Foto 1935

Rohbau der Jugendherberge,Richtfest, Foto 1936

Rohbau der Jugendherberge,Richtfest, Foto 1936

Eingang des fertigen Gebäudes, Postkarte

Eingang des fertigen Gebäudes, Postkarte

kurz nach Eröffnung: Schlafraum, Foto 1936

kurz nach Eröffnung: Schlafraum, Foto 1936

im Tagesraum: Wandmalerei und Kachelofen, Foto 1999

im Tagesraum: Wandmalerei und Kachelofen, Foto 1999

Wandmalereien im Tagesraum: Till macht Kranke gesund, Foto 1999

Wandmalereien im Tagesraum: Till macht Kranke gesund, Foto 1999

Wandmalereien im Tagesraum, Foto 2013

Wandmalereien im Tagesraum, Foto 2013

Eines der Glasfenster im Treppenhaus, Foto 2013

Eines der Glasfenster im Treppenhaus, Foto 2013