Die Stadtziegelei

In diesem Monat stellen wir in Bild und Text die „Ziegelei“ vor, die den meisten als Ausflugslokal ein Begriff ist, aber eine viel längere Vorgeschichte als Gewerbebetrieb hat.

Die Landschaft im Norden der Stadt hat sich in den vergangenen Jahrhunderten durch die unterschiedlichen Nutzungen erheblich verändert. Die Flurbezeichnungen „Walkmöllerholz“ und „Walkmöllerfeld“ für das Gebiet, das zwischen Voßbergs und Bundesstraße 207 an den Elbe-Lübeck-Kanal grenzt, erinnern an die Möllner Walkmühle, die bis 1834 am Ausfluss des Knakendieks stand. Große Teile des Pirschbachtals waren in dieser Zeit von großen Teichen bedeckt, die heute verlandet sind. Das Wasser wurde angestaut und für den Betrieb der Mühle genutzt.

Erstmals wurde die Walkmühle, die sich lange im Besitz der Möllner Tuchmacher befand, 1315 im Möllner Stadtbuch erwähnt. Weit vor den Toren der Stadt wurde die Mühle gerade hier angelegt, weil es an dieser Stelle ein Vorkommen von Walkerde bzw. Walkton gab, einem Rohstoff, der für das Walken der Tuche benötigt wurde. Im 18. Jahrhundert verschlechterten sich die wirtschaftlichen Bedingungen für den Betrieb der Walkmühle, die Gebäude verfielen mehr und mehr. 1834 wurde das alte Mühlengebäude verkauft und abgebrochen. An gleicher Stelle entstand eine neue Stadtziegelei.

Ein eigener Ziegelhof der Stadt lag ursprünglich am Ausfluss der Stecknitz aus dem Möllner See (daher heute noch die Bezeichnung „Ziegelsee“). Wegen des Mangels an gutem Lehm an jener Stelle wurde die Ziegelei nach dem Abbruch der Walkmühle an den heutigen Platz verlegt. Es entstanden ein Wohnhaus, ein Brennofen und eine Trockenscheune. Nach wenigen Jahrzehnten machte sich auch an diesem neuen Standort Lehmmangel bemerkbar. Auch die technische Einrichtung konnte mit moderneren Anlagen nicht mehr konkurrieren. 1906 wurde der Betrieb eingestellt.

Ganz in der Nähe der Ziegelei hatte sich die Oberschleuse am Stecknitzkanal befunden, zu der eine Krugwirtschaft gehörte. Mit dem Bau des Elbe-Trave-(Elbe-Lübeck-) Kanals 1896 bis 1900 verschwand die Oberschleuse. Der letzte Pächter der Ziegelei, Heinrich Tiedemann, hatte sich 1898 klugerweise um die Schankkonzession beworben, die mit der Schleuse verbunden war. So entwickelte sich die Ziegelei nach der Stilllegung im Jahre1906 zu einem beliebten Ausfluglokal, das viele Möllner bei ihren Spaziergängen am Sonntag gerne aufsuchten.

Literatur : Hermann Siegfried: Die Walkmühle am Knakendiek, In: Lauenburgische Heimat Heft 23(1959), S. 20-25.

Hermann Siegfried, Von der Möllner Stadtziegelei, In: Lauenburgische Heimat Heft 35 (1961), S. 13-19.

Erster Hinweis auf eine

Erster Hinweis auf eine "Ziegelhütte" zwischen Pirschbach und See, Ausschnitt aus Karte der Vogtei Amt Mölln von 1359

Gesamtansicht Ziegelei mit Gastwirtschaft seit 1898, Postkarte von 1900

Gesamtansicht Ziegelei mit Gastwirtschaft seit 1898, Postkarte von 1900

Ziegelei, Reste des Brennofens, Foto 1910

Ziegelei, Reste des Brennofens, Foto 1910

Ziegelei, Rest der Trockenscheune, Foto 1960

Ziegelei, Rest der Trockenscheune, Foto 1960

Ziegelei, Rest des Trockenschuppens, Foto 2005

Ziegelei, Rest des Trockenschuppens, Foto 2005

Überblick über Gaststätt und landwirtschaftlich genutzten Teil der Ziegelei, Foto um 1930

Überblick über Gaststätte und landwirtschaftlich genutzten Teil der Ziegelei, Foto um 1930

Ziegelei-Gaststätte, Foto zwischen 1953 und 1957

Ziegelei-Gaststätte, Foto zwischen 1953 und 1957