Fahrrad

Der „Radfahrer-Club Mölln“ und die Geschichte des Radfahrens in Mölln

Während sich Mölln gerade an der Aktion „Stadtradeln“ beteiligt, werfen wir in diesem Monat einen Blick auf die Anfänge und die weitere Entwicklung des Radfahrens in Mölln. Ende des 19. Jahrhunderts fand das Fahrrad immer mehr begeisterte Anhänger, die sich auch zu Vereinen zusammenschlossen.   

Der Radfahrer-Club Mölln, dessen Statuten im Möllner Stadtarchiv erhalten sind, wurde am 1. Juni 1893 gegründet. Als Zweck des Clubs nennen die Statuten die „Hebung des Radfahrsportes durch Unterweisung von Anfängern im Fahren, durch Übungs- und Tourenfahrten, sowie Förderung der Geselligkeit.“ Vereinsvorsitzender war W.E. Schlie, der auf einem unseren Bilder mit dem Hochrad zu sehen ist.

Die Statuten legen u. a. Folgendes fest:

§ 7 „Das Tragen der vollständigen Clubuniform ist nicht obligatorisch (gewünscht wird marineblau), die Mitglieder haben jedoch bei Clubfahrten mit der weißen Clubmütze mit Abzeichen und in Kniehosen mit langen Strümpfen zu erscheinen“.

Zu den Statuten gehört auch eine „Fahrordnung“ für Clubfahrten. Sie bestimmt:

„Der Fahrwart […] übernimmt die Führung und [es] darf keiner der an der Clubfahrt Beteiligten an demselben vorbeifahren. Den Anordnungen des Führenden ist unbedingt Folge zu leisten. Derselbe soll eine nicht zu große Geschwindigkeit entwickeln und die Bedürfnisse der weniger Erfahrenen nicht außer Acht lassen […] Es ist nicht ratsam, eine Geschwindigkeit von über 15 km per Stunde zu erzielen und länger als 2 Stunden ununterbrochen im Sattel zu bleiben. […] Beim Bergabfahren in Gesellschaft muss das Bicycle gut in Hand gehalten, und dürfen die Füße nicht von den Pedalen genommen werden. […] Beim Treffen eines unruhigen Pferdes oder Vorbeifahren an einem solchen soll nur auf Verlangen abgestiegen werden, da das plötzliche Absteigen oft ein schlechtes Resultat hat; langsam Fahren und einige Worte des Fahrers sind in jedem Falle am besten [...] Fußgängern gegenüber [ist] die größte Rücksicht zu nehmen und nur für den Fall, dass der Fahrer nicht ausweichen kann, in der freundlichsten Weise um Platz zu bitten, da hier von Verlangen keine Rede sein kann. Beim Dunkelwerden müssen Laternen angezündet und beim Durchfahren von Städten und Dörfern Glocken benutzt werden. Die bei Clubfahrten zur Abfahrt festgesetzte Zeit muss stets pünktlich eingehalten werden.“

Auf dem Gelände des heutigen Waldsportplatzes wurden Pläne für eine Radrennbahn verwirklicht. 1894 wurde die dort vorhandene Reitbahn dem Club überlassen. Aufgrund der hohen Unterhaltungskosten dieser Anlage löste sich der Club wenige Jahre später wieder auf. Schon 1900 wurde der Platz zurückgegeben, nachdem er längere Zeit nicht benutzt worden war.

Daneben hat auch ein „Arbeiter-Radfahr-Verein“ in Mölln existiert, dessen Gründungsdatum nicht überliefert ist. Der allgemeine Begrüßungsruf des Vereins lautete „Frisch auf!“. So ist es im § 17 der Statuten festgelegt.

Wie der Bestand unseres Fotoarchivs beweist, hat das Fahrrad auch in der weiteren Geschichte der Stadt wichtige und zum Teil kuriose Auftritte erlebt, sei es als Sportgerät, als Geschäftsfahrrad oder als Fortbewegungsmittel der Eulenspiegeldarsteller.

Fahrradclub vermutlich um 1910

Feinkost Flieger, Geschäftsfahrrad, 1950

Bahnhof, W. Ave als Eulenspiegel auf Fahrrad mit Sonnenschirm

Fahrrad mit Milchkannenhalter, 1990

W. E. Schlie, Hochrad, um 1890

Wasserfahrrad, Bootsverleih Morgenroth, 2015

aus Sammlung von Erlassen, Verordnung im 1. Weltkrieg: Einschränkung Fahrradverkehr

Hochrad mit Waschulewski als Eulenspiegel, kurz nach 2. Weltkrieg