Haupt- und ehrenamtliche Vertreterinnen und Vertreter von Verwaltung und Politik der Stadt Mölln

In unserer Reihe historischer Fotos wollen wir uns im Laufe des Jahres schwerpunktmäßig mit den haupt- und ehrenamtlichen Vertreterinnen und Vertretern von Verwaltung und Politik der Stadt Mölln in der Zeit nach 1945 widmen. Die ersten Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind nur sehr spärlich fotografisch dokumentiert. Von Bürgermeister Curt Biging liegt uns überhaupt keine Aufnahme vor. Sollten sich in privatem Besitz noch entsprechende Aufnahmen befinden, wäre das Stadtarchiv / Fotoarchiv für einen Hinweis dankbar.

Am 2. Mai 1945 wurde Mölln kampflos von britischen Truppen besetzt. Ein britischer Stadtkommandant übernahm die Verantwortung in der Stadt. Englisch wurde Amtssprache und alle Schreiben der Verwaltung mussten zweisprachig abgefasst werden. Die britische Stadtkommandantur Mölln bestand bis zum 31. Dezember 1945. Danach übernahm der britische Militärgouverneur in Ratzeburg ihre Aufgaben.

Nach der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur und den Kriegsjahren war eine grundlegende Neuordnung der staatlichen und politischen Strukturen erforderlich. Die britischen Besatzungsbehörden begannen mit dem Aufbau demokratischer Strukturen „von unten nach oben“.

Nachdem zunächst Hans Ludwig Michelsen die Amtsgeschäfte als Bürgermeister weitergeführt hatte, wurde der als Dolmetscher für die britischen Besatzungsbehörden tätige Kapitän Helmuth Martin zum neuen Stadtoberhaupt ernannt. Helmuth Martin (1876-1957) war nach den Bombenangriffen auf Hamburg 1943 nach Mölln gekommen und hatte in der Jugendherberge Unterkunft gefunden.

Er wurde schon zwei Wochen später von Rudolf Marcellus Michelsen abgelöst. Mitte Juni wurden vom Landrat im Einvernehmen mit der Militärregierung Stadträte als Vertreter der Bevölkerung ernannt. Sie sollten dem Bürgermeister beratend zur Seite stehen.

Im August 1945 erlaubte die britische Militärregierung die Gründung freier Gewerkschaften und demokratischer Parteien. Im September kam es in der Gaststätte Michel zur Neugründung der Möllner SPD. Wenig später wurde auch die örtliche KPD neugegründet. Die Gründung eines Ortsverbands der CDU erfolgte um die Jahreswende 1945/46.

Anfang Januar 1946 wurde in der Nachfolge des „Stadtkollegiums“ eine erste Stadtvertretung durch die Militärregierung ernannt. Dieses Gremium mit 23 Ratsherren (darunter als einzige Frau Frieda Reimers von der CDU) hatte nicht nur beratende Funktion, sondern konnte auch Beschlüsse fassen.

In ihrer ersten Sitzung des neuen Jahres wählte die Stadtvertretung den Stadtoberinspektor Rudolf Rockstroh (1887-1974) einstimmig zum Stadtdirektor, also zum Leiter der Stadtverwaltung.

In der Sitzung der Stadtvertretung am 7. September gab der bisherige Bürgermeister Rudolf M. Michelsen seinen Rücktritt bekannt. Er war Ende Mai 1945 auf Vorschlag des damaligen Stadtkommandanten von Mölln vom Militärgouverneur eingesetzt und am 15. Oktober 1945 bestätigt worden. Mit seinem Rücktritt reagierte Michelsen auf das Votum des örtlichen Entnazifizierungsausschusses, ihn als Kandidat für die Gemeindewahlen nicht zuzulassen.

Im September 1946 fanden die ersten Kommunalwahlen nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Zum neuen Bürgermeister wählte die Stadtvertretung den Arzt Dr. Curt Biging (SPD). Dr. Biging wurde 1887 in Posen geboren, ging später nach Berlin und kam 1945 nach Mölln. Neben seinem Beruf als Praktischer Arzt engagierte er sich in der Kommunalpolitik und war in der Möllner Stadtvertretung und im Kreistag aktiv. Außerdem war er für das DRK als Landesverbandsarzt und Kreisverbandsarzt tätig. Im Mai 1947 legte er sein Amt nieder. 1950 ist er in Mölln verstorben.

Gerhard Martin, 1945

Gerhard Martin, 1945

Rudolf Rockstroh, 1946 - 1950

Rudolf Rockstroh, 1946 - 1950

Ehepaar Rockstroh mit Kollegen, Foto 1931

Ehepaar Rockstroh mit Kollegen, Foto 1931

Rockstroh mit Polizist Ruschewski, Foto 1931

Rockstroh mit Polizist Ruschewski, Foto 1931